Eine wichtige Zusatzuntersuchung bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs




Die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist seit Einführung der jährlichen Krebsvorsorgeuntersuchung (PAP-Test) deutlich zurückgegangen und liegt weltweit unterschiedlich hoch. In Israel erkranken 5 von 100.000 Frauen pro Jahr, die Anzahl steigt in den USA auf 17 und in Kolumbien auf 62 an. Süd­tirol liegt mit ca. 7 Fällen auf 100.000 Frauen pro Jahr unter dem euro­päischen Durchschnitt.

Diese guten Zahlen gehen auf die vor Jahrzehnten eingeführte Krebsvor­sorgeuntersuchung zurück, die von den Frauen in Südtirol gut angenommen wurde und an der 70-75 % der Frauen mehr oder weniger regelmäßig teilnehmen.

Durch die Vorsorge werden die meisten der Veränderungen – die im Laufe von Jahren zu einem Gebärmutterhalskrebs führen würden – frühzeitig entdeckt und behandelt.

Die Dysplasie

Unter Dysplasie versteht man Zell­veränderungen, die mit der Zeit bösartig werden können, also Vorstufen eines Zervixkarzinoms sein können. Bevor sich daraus ein Karzinom entwickelt, bestehen solche Vorstufen oft jahrelang.

Die Dysplasien werden fast immer durch eine Virusinfektion mit dem sogenannten HPV-Virus (Humanes Papilloma Virus) verursacht. Mittlerweile sind über 80 verschiedene Papilloma-Virustypen bekannt. Die Virusübertragung geschieht durch Geschlechtsverkehr. Ca. 80 % aller Frauen haben im Laufe ihres Lebens ­eine HPV-Infektion, die meis­ten dieser Infektionen (ca. 60%) heilen von alleine und ohne Folgen ab.

Man unterscheidet zwei Gruppen von HPV-Viren:

low-risk-Viren: Viren mit „geringem Risiko“,

die gutartige Veränderungen (sogen. Kondylome) auslösen,

die sich meist spontan  zurückbilden  und

high-risk-Viren: Viren mit

„hohem Risiko“, die   Veränderungen verursachen,

welche im Verlauf von Jahren

zu einem Zervixkarzinom führen können.

Die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Typen kann heute durch einen Flüssigkeits- Abstrich (Thin prep) vorgenommen werden. Diese HPV-Typisierung wird heute routinemäßig durchgeführt und hat den PAP-Test als Routineuntersuchung abgelöst. Statistisch gesehen entwickeln nur ca. 1% aller HPV-infizierten Frauen ein Zervixkarzinom, bei allen anderen Vorstufen sorgt die Immunantwort des Körpers für die Rückbildung der Veränderung.

Was aber bei jeder Krebsvorsorge neben der Abstrichentnahme als ergänzende diagnostische Untersuchung durchgeführt werden sollte, ist die sogenannte Kolposkopie. Man versteht darunter die Betrachtung des Muttermundes und der äußeren Oberfläche des Gebärmutter-halses mit einer 10-20fachen Lupenvergrößerung.

Der Gebärmutterhals und der Muttermund

Der typische Entwicklungsort des Gebärmutterhalskrebses ist die sogenannte Umwandlungszone am Gebärmutterhals, die Grenzzone zwischen zwei verschiedenen Schleimhäuten, wo Plattenepithel und Zylinderepithel (Drüsenschleimhaut) aufeinandertreffen.

Das Plattenepithel ist eine mehrzellige, glatte Schleimhaut, welche die Scheide auskleidet und den äußeren Anteil des Gebärmutterhalses überzieht, wo es in die Drüsenschleimhaut (das Zylinderepithel) übergeht (Transforamtionzone).

Das Plattenepithel hat eine glatte Oberfläche (wie eine Tapete), während die Drüsenschleimhaut wie ein Teppich aussieht. Zwischen den einzelnen Zotten befinden sich die Schleimdrüsen.

Die Grenzzone zwischen den beiden Schleimhäuten – die unter dem Hormoneinfluss unterschiedlich groß sein kann – ist der typische Entstehungsort für Zellveränderungen. Diese sind mit bloßem Auge meist nicht zu erkennen, werden aber bei der Vergrößerung mit dem Kolposkop sichtbar.

Durch das Betupfen der Oberfläche mit 3%-iger Essigsäurelösung werden diskrete Auffälligkeiten deutlicher,  durch das Anfärben mit einer speziellen Jodlösung wird die Ausdehnung und die Abgrenzung sichtbar.

Mit Hilfe der Kolposkopie kann man frühzeitig Zellveränderungen (=Dysplasien) am Muttermund erkennen. Die Veränderungen werden als:

  • weiße Zone (Leukoplakie),
  • verdickte Oberfläche (Hyperkeratose),
  • oft zusätzlich mit roten Punkten (Punktierung) oder
  • als zartes oder grobes Mosaik erkennbar.

Da diese Veränderungen keine Krankheitssymtome verursachen ist es wichtig, sie durch die Krebsvorsorgeuntersuchung und die Kolposkopie frühzeitig zu erfassen. Durch moderne Übertragungstechnik kann mit der Videokolposkopie der Befund am Monitor für die Patientin sichtbar gemacht und erklärt werden. Die Kolposkopie erlaubt auch eine unter Sicht durchgeführte, gezielte Abstrich- und Gewebsentnahme aus den suspekten Arealen.

Weiteres Vorgehen

Bei einem auffälligen PAP-Test oder einer auffälliger Kolposkopie wird in den meisten Fällen konservativ vorgegangen, d.h. es wird meist abgewartet und kontrolliert und eine eventuell notwendige lokale Therapie durchgeführt.

Kontrollen werden je nach Befund dann alle 3-6 Monate durchgeführt. In den meisten Fällen verschwinden die kolposkopischen Veränderungen spontan oder sie bleiben unverändert.

Nehmen die Veränderungen zu oder wird der Abstrich auffällig, dann hat man die Möglichkeit, bei der gleichen Untersuchung eine Gewebsprobe (Biopsie) vom Muttermund zu entnehmen. Diese wird ambulant in der Arztpraxis durchgeführt und ist schmerzfrei, da die Schleimhaut auf dem Gebärmutterhals keine Nervenfasern besitzt. Das feingewebliche Ergebnis und der kolposkopische Befund entscheiden dann über die weitere Behandlung.

So gelingt es, durch die Krebsvorsorge mit  Abstrich  und Kolposkopie frühzeitig Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs zu erkennen und zu behandeln. Dadurch ist die Häufigkeit des Zervixkarzinoms so stark zurückgegangen, dass es heute nur noch  an 12. Stelle nach Brustkrebs, Darmkrebs, Magenkrebs und Gebärmutterhöhlenkrebs liegt.

Das Zervixkarzinom ist das Karzinom der jungen Frau und der Frauen um das 60.-65 Lebensjahr und das einzige Karzinom, das nicht nur zufallsmäßig, sondern nahezu zuverlässig in seinem ersten mikroskopischen Beginn zu erfassen ist und sich in seinen Vorstufen kenntlich macht. Deshalb sollte jede Frau nach Aufnahme von Geschlechtsverkehr alle 1-2 Jahre die Krebsvorsorge mit Abstrichentnahme und Kolposkopie durchführen lassen.

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